Kategorie: Antropofagia


Was ist ein Gambiarra?

13. September 2012 - 20:52 Uhr

Gedanken zum 1. Pipi-Langstrumpf-Gesetz

Das 1. Pipi-Langstrumpf-Gesetzes lautet: „Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Das ist gar nicht so einfach, denn die Welt, in der wir leben, haben wir zum großen Teil nicht selbst eingerichtet. Nun, da sie schon einmal da ist, geht es darum, sie nach unserem Bedarf zu gestalten. Das nennen wir Aneignung.

Bremen, Bleicherstraße: Ein Cambio-Parkplatz

Bremen, Bleicherstraße: Ein Cambio-Parkplatz

In meiner Nachbarschaft gibt es einen Cambio-Parkplatz. Davor ein Bürgersteig und eine wenig befahrene Wohnstraße. Neulich sehe ich zwei Jungs, die das niedrige breite Rollgitter geschlossen haben. Der eine stellt sich mit seinem Tennisschläger auf die Parkplatzseite, der andere auf die Straßenseite und schon hatte unsere Nachbarschaft einen Tennisplatz.

Bremen, Bleicherstraße: Unser Tennisplatz in der Nachbarschaft

Bremen, Bleicherstraße: Unser Tennisplatz in der Nachbarschaft

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Kreativität und Aneignung

23. November 2011 - 13:29 Uhr

Rückblick Transit 4

Ehemalige Schleichwege auf den Uniwiesen in Köln, http://maps.google.com/maps?q=universit%C3%A4t+k%C3%B6ln&hl=de&ie=UTF8&ll=50.930295,6.929047&spn= 0.001207,0.002229&sll=41.549196,-72.427301&sspn=2.935169,4.564819&vpsrc=6&hq=universit%C3%A4t+k%C3%B6ln&t=h&z=19, abgerufen am 25.10.2011

Der Trampelpfad als Metapher für die Aneignung

Am 22.10.2011 hatte ich die Möglichkeit auf dem Symposium Transit4 im Fachbereich „Design“ der Fachhochschule Augsburg einen Vortrag mit dem Titel „Kreativität und Aneignung – Vom Eigensinn in einer kolonialisierten Welt“ zu halten.

Der Vortrag leitet ein mit dem Konzept des symbolischen Kannibalismus als Form einer emanzipatorischen Kulturkritik, wie sie vom brasilianischen Modernismus im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts formuliert wurde. Ursprünglich zur Gegenwehr gegen den Kolonialismus entstanden, möchte ich diese Idee zur Beschreibung einer emanzipierten Konsumentenkultur fruchtbar machen.

Der zweite Teil des Vortrags beschreibt die Art und das Ausmaß der Aneignungstendenzen, denen wir [1] ausgesetzt sind: Im Rückgriff auf Naomi Klein und Michel Serres habe ich skizziert, wie sich eine durchkommerzialisierte Kultur persönliche und gesellschaftliche Freiräume des Denkens und Handelns aneignet.

Der dritte Teil schließlich versammelt Beispiele, die belegen sollen, wie vielseitig und inspirierend, direkt und implizit gegen die herrschenden Verhältnisse protestiert wird und werden kann [2]. Oder etwas vorsichtiger ausgedrückt: Wie sich eine alternative Kultur Raum schafft, und damit Modelle liefert, wie ein Leben jenseits eines vornehmlich kommerziellen Verwertungszusammenhangs aussehen kann.

Im folgenden führe ich grundlegende Gedanken des Vortags aus. Im Anschluss folgen Anmerkungen zu einigen Folien, die – soweit Bildrechte vorhanden sind – zum Download zur Verfügung stehen.

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Thoughtless Acts – Design durch Aneignung

19. September 2011 - 12:09 Uhr
Papiertaschentücher im Küchenschrank

Hält der Schrank die Taschentücher fest? Hält die Packung die Türe zu? Provisorium? Gambiarra? Kunst?

IDEO ist eine „weltweit agierende Innovationsberatung“ und setzt dazu u. a. die Methode des „Design Thinking“ ein; damit findet man ‚innovative Lösungen‘ für ‚komplexe Probleme‘. Klingt gut soweit. Jane Fulton Suri – geschäftsführende Gesellschafterin von IDEO – hat 2005 ein interessantes Fotobuch (mit ein wenig Text) veröffentlicht, welches den Gedanken nahelegt, dass auch ‚innovative Lösungen besonders komplexer Probleme‘ mit einfachen Feststellungen beginnen. Weiterlesen »

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Plunderphonic – Über John Oswald

14. Juli 2011 - 20:56 Uhr
Cover des Albums Plunderphonics (Kollage von John Oswald)

Kollage von John Oswald publiziert von mLab (http://en.wikipedia.org/wiki/File:MsJacko,dab.jpg, Lizensiert unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License.)

John Oswald ist Musiker, Künstler, Tänzer und auch Komponist. Als solcher bediente er sich getreu dem Diktum Strawinskys bei anderen Kollegen: „Ein guter Komponist imitiert nicht – er klaut.“ [1] Was Oswald bislang veröffentlicht hat – oder genauer: was immer noch und wieder Internet verfügbar ist – besteht zum großen Teil aus kreativen Bearbeitungen vorhandener Musikaufnahmen. Opfer oder – je nach Standpunkt – Nutznießer seiner transformativen Leidenschaft sind u. a. die Beatles, Michael Jackson, Bing Crosby, Dolly Parton, James Brown, Ludwig van Beethoven, Bach und einige mehr. Weiterlesen »

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Vorträge im Netz

6. Juni 2011 - 05:39 Uhr

Ein Blog über Off- und Online-Mashups, Basteleien, Improvisationen, Eigensinniges, (Wieder-) Aneignungen von Territorien, Diskursen, Moden, Verbraucherangeboten, industriellen Produkten, Werbung und anderem …

so steht es in der Kurzbeschreibung zu diesem Blog. Wer mehr darüber wissen will, was „Antropofagia“ bedeutet und in welchem Kontext ich dieses Konzept anwenden und erproben möchte, der kann in die auf dieser Seite verlinkten Videos reinschauen

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Le Parkour

1. Juni 2011 - 14:59 Uhr

Die Aneignung von öffentlichem Raum – Teil 2

Daniel Ilabaca balanciert wie eine Katze. Foto von Jon Lucas, 01.12.2007

Daniel Ilabaca balanciert wie eine Katze. Foto von Jon Lucas, 01.12.2007

In den 80-Jahren lernte David Belle [1] von seinem Vater Raymond Belle die „Méthode Naturelle“ [2]. Der Vater – ein ehemaliger Vietnamsoldate – hatte sich eine zweckmäßige Bewegungstechnik angeeignet, mit der er sich im Wald und anderem unwegsamen Gelände zurechtzufinden konnte. Die ’natürliche Methode‘ ist eine Art Naturphilosophie des Körpers und seiner Bewegung im Raum: Es geht in einem umfassenden Sinn darum, sich unter Einsatz und fortlaufender Ausbildung des gesamten Körperpotentials und im Einklang mit den Bedingungen der jeweiligen Umgebung fortzubewegen. Le Parkour, offiziell von Belle erfunden und propagiert, ist einer der Nachfolger der „Methode Naturelle“ – auch wenn wohl früher damit begonnen wurde, die Waldläufertechnik in den Stadtraum zu übertragen [3]. Weiterlesen »

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Street Art

1. Mai 2011 - 17:23 Uhr

Zur Aneignung von öffentlichem Raum – Teil 1

Banane mit Dame, Graffiti aus dem Bremer 'Viertel' (Foto: M. Butz)

Öffentlicher Raum ist ein Gemeingut. Es ist der Raum der von uns allen belebt, bewohnt, bespielt und genutzt wird. Im Gegensatz zu privatem Raum: Der Raum über den der einzelne verfügt, wo er oder sie bestimmen kann, wer hinein darf, wer den Raum gestaltet, wer dort sprechen darf. Diese Trennung ist sinnvoll und gemeinhin unwidersprochen. Ich will nicht, dass irgendwer sich ohne mein Einverständnis in meiner Wohnung aufhält, die Wände bemalt oder den Fernseher anstellt. Der öffentliche Raum hingegen ist neben der einvernehmlichen Nutzung auch der Raum der Debatte darüber, wer mit welchem Anspruch die Nutzung des Raums geltend machen darf und kann. Wird öffentlicher Raum überreguliert oder privatisiert, verschwindet die Vielfalt und das öffentliche Leben. Weiterlesen »

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Who Eats Who

13. April 2011 - 18:02 Uhr

1998 lernte ich Roberto Cabot kennen. Cabot ist Künstler französisch-brasilianischer Abstammung und lebt und arbeitet in Brasilien. Zu jener Zeit plante er ein Projekt mit dem Titel „Who Eats Who“.  Ich hatte das Vergnügen zusammen mit ihm eine kleine Website zu entwerfen, die Projekt und Hintergrund darstellen sollten. Es ging in diesem frühen Stadium darum, Sponsoren für die geplante Idee zu gewinnen.

Das Projekt setzt vier Komponenten miteinander in Bezug:

Geplant war eine 3-fache Projektion des Films auf die riesige Fassade des Hotels, welches seit 1923 an der Copacabana steht. Planer dieses kollonialen Prachtbaus ist der französische Architekt Joseph Gire, Urgroßvater von Cabot.

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