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Programmieren ist das neue Latein (oder: Musikmachen mit Clojure & Overtone)

17. Februar 2014 - 08:45 Uhr
Babbage_Difference_Engine_(Being_utilised)

Let the computing begin! (Foto von Jitze Couperus, Los Altos Hills, California, USA, 21.01.2010, CC Attribution 2.0 Generic

Ich wollte schon lange einmal das Programmieren lernen. Doch es gibt Gründe, die dagegen sprechen:

  • Mathematik habe ich noch nie richtig gekonnt.
  • Das ist so kompliziert. Ich verstehe das alles nicht.
  • Warum soviel Zeit investieren? Ich will doch nicht wirklich Programmierer werden.

Die Jesuiten, die sich meisterhaft auf das Publikum verstanden, haben bei ihren Aufführungen kaum ein aussschließlich lateinkundiges Auditorium gehabt. Sie durften der alten Wahrheit sich überzeugt halten, daß die Autorität einer Äußerung sowenig von ihrer Faßlichkeit abhängt, daß sie durch Dunkelheit vielmehr gesteigert werden kann. 1

Wer heutzutage nicht programmieren kann, der steht wahrscheinlich ähnlich unwissend da, wie der vormals Lateinunkundige; so jedenfalls legt es die Formulierung nahe, Programmieren sei das neue Latein. Über lange Zeit wurde Latein dazu verwendet, Wissen, Macht und Einfluss zu kodieren und weiterzutragen. Wer Latein konnte, der konnte Bücher lesen, der konnte am Kulturleben der gehobenen Klassen teilhaben: er oder sie verstand den Code, mit dem Bildung zugänglich war. Latein war die Amtssprache des römischen Reichs und die Sprache der Bildung bis in die Neuzeit hinein. Bis ins 19. Jahrhundert wurden Vorlesungen an europäischen Universitäten in Latein gehalten 2, und wenn ich mich recht erinnere, hätte auch ich meine Magisterarbeit an der Kölner Uni 1994 in Latein einreichen können. Vermutlich würde ich heute noch schreiben. Gut, dass ich kaum Latein konnte.

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