Was braucht der Mensch? Seminar im SS 2013 an der HFK Bremen

7 Design und Aneignung der Massenmedien

In der Tradition der Frankfurter Schule werden Massenmedien und ihre Produkte als mächtige Agenten der jeweils herrschenden Ideologie gedeutet und analysiert. Den Medien(-inhalten) wird eine prägende und manipulative Wirkung zugeschrieben, während die Medienkonsumenten als mehr oder weniger passive und beeinflussbare Masse verstanden (und kritisiert) werden.

Vor allem in der anglo-amerikanisch beeinflussten Medientheorie und den sog. Cultural Studies gibt es ein dem entgegengesetztes Verständnis von Massenmedium und Medienkonsumenten: Gegenüber einem mehr oder weniger einheitlichen Begriff der Masse (wie in der Frankfurter Schule) stehen hier eine Vielzahl von kulturellen, ethnischen und sozialen Gruppen, die mit je unterschiedlichem Interesse Medieninhalte deuten und nutzen. Auch wenn Massenmedien eine dominante Ideologie transportieren, so gibt es immer Leerstellen, die vor dem Hintergrund des je eigenen Bedarfs mit (Eigen-)Sinn gefüllt werden, der von den Produzenten nicht verhergesehen oder gar unerwünscht ist. Die Bedeutung und der Sinn der Medienangebote steht nur zum Teil fest und wird laufend verhandelt und umkämpft. Insofern sind moderne Markenprodukte immer auch ideologisch9.

Ich wollte mit der Sitzung v.a. deutlich machen, dass sich alle Überlegungen zum Design und zum (beabsichtigten und wirklichen) Gebrauch von Produkten nicht nur auf Güter und Anfassbares beschränken. Egal ob ein Hollywood-Film, ein Ratgeberbuch, eine Lebensversicherung, ein technisches Gadget oder ein Kleidungsstück konsumiert wird, der Kunde gibt dafür auch Geld aus, weil es mit seinem gewünschten Selbstbild übereinstimmt; es ist klar, dass die Produzenten von Konsumwaren und Medienprodukten aus Profitgründen ein großes Interesse haben, hierbei möglichst großen Einfluss auszuüben.

7.1 Literatur

  • Adorno, Theodor W.; Horkheimer, Max (1989): Die Dialektik der Aufklärung, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.
  • Adorno, Theodor W. (1999): Résumé über Kulturindustrie, in: Pias, Claus; Vogl, Joseph; Engell, Lorenz; Fahle, Oliver; Neitzel, Britta (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur, Stuttgart: DVA, S. 234-253.
  • Fiske, John (1999): Augenblicke des Fernsehens. Weder Text noch Publikum, in: Pias, Claus; Vogl, Joseph; Engell, Lorenz; Fahle, Oliver; Neitzel, Britta (Hrsg.): Kursbuch Medienkultur, Stuttgart: DVA, S. 234-253.
  • Fiske, John (1989): Reading the Popular, New York: Routledge.
  • Jenkins, Henry (1988): Star Trek rerun, reread, rewritten: Fan writing as textual poaching, in: Critical Studies in Mass Communication, Juni 1988, S. 85-107, online verfügbar unter: http://web.mit.edu/21l.432/www/readings/star%20trek%20rerun.pdf [08.08.2013], weiter Texte unter: http://web.mit.edu/cms/People/henry3/publications.html, siehe auch Jenkins Blog mit vielen kurzen Texten zum Thema: Full time IT sysadmin, part time tech/media blogger, amateur rhetorician, professional jerkface, [08.08.2013].
  • Simanowski, Roberto (2008): Digitale Medien in der Erlebnisgesellschaft. Kultur – Kunst – Utopien, Berlin: Rowohlt.
  • Winter, Rainer; Mikos, Lothar (Hrsg.) (2001): Die Fabrikation des Populären, Bielefeld: transcript Verlag.

7.2 Weitere Online-Quelle und Beispiele

Fußnoten

9) Ich verstehe den Begriff der Ideologie mit Roland Barthes wie folgt: Ideologie ist die Idee im Stande der Herrschaft.

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