Was braucht der Mensch? Seminar im SS 2013 an der HFK Bremen

6 Nicht intentionales Design (NID) und Thoughtless Acts

Non Intentional Design (NID) ist ein Begriff, den Uta Brandes und Michael Erlhoff Ende der 1990er Jahre in die Designforschung einführten. Er bezeichnet die alltägliche, sozusagen unprofessionelle Umgestaltung des professionell Gestalteten. NID entsteht in der Nutzung eines Objekts, und zwar immer dann, wenn gegen eine funktional vorgegebene (und damit eingeschränkte) Intention verstoßen wird, beziehungsweise die vorgegebene Anwendung in der neu gefundenen nicht eingelöst wird.8

Jane Fulton Suri – geschäftsführende Gesellschafterin der Design-Agentur IDEO – hat 2005 ein interessantes Fotobuch (mit ein wenig Text) veröffentlicht, welches den Gedanken nahelegt, dass auch ‘innovative Lösungen besonders komplexer Probleme’ mit einfachen Feststellungen beginnen. Fulton Suri hat die Menschen in den Großstädten beobachtet und fotografisch dokumentiert, was diese so tun, wenn sie Wege zurücklegen, Orte und Dinge gebrauchen und miteinander kommunizieren. Ihre Beobachtungen faßt Fulton Suri unter dem Label „Thoughtless Acts? Observations on Intuitive Design“.

Im Seminar sahen wir uns beide Konzepte und Beispiele an und diskutieren über Unterschiede und Charakteristika.

6.1 Literatur

  • Brandes, Uta; Michael (2006): Non Intentional Design, Köln: Daab.
  • Brandes, Uta; Stick, Sonja; Wender, Miriam (2009): Design durch Gebrauch: Die alltägliche Metamorphose der Dinge (deutsche Edition), Basel, Boston, Berlin: Birkhäuser.
  • Fulton Suri, Jane (2005): Thoughtless Acts? Observations on intuitive Design, San Francisco: Chronicle Books.
  • Jencks, Charles; Silver, Nathan (2013): Adhocism. The Case for Improvisation, Cambridge (Massachusetts)/London (England): MIT Press, Expanded And Updated Edition, first edition 1972
  • Selle, Gert; Boehe, Jutta (1986): Leben mit den schönen Dingen. Anpassung und Eigensinn im Alltag des Wohnens, Reinbek: Rowohlt.

6.2 Weitere Online-Quelle und Beispiele

  • Butz, Martin: Thoughtless Acts – Design durch Aneignung (Blog-Beitrag vom 19.09.2011), http://bit.ly/18lPJRG [11.08.2013].
  • Kurzer Ausschnitt aus dem Film Die Götter müssen verrückt sein (Originaltitel: The Gods Must Be Crazy, Botswana 1980, Regie: Jaymie Uys), http://www.youtube.com/watch?v=xzwDu_DmPpU, [08.08.2013]; der Ausschnitt vermittelt einen plastischen Eindruck davon, was NID ist, auch wenn es in der afrikanischen Savanne und nicht im urbanen Umfeld einer modernen Konsumgesellschaft situiert ist.

Fußnoten

8) Uta Brandes in der deutschsprachigen Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Uta_Brandes#Forschungsprojekte [08.08.2013]

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