Was braucht der Mensch? Seminar im SS 2013 an der HFK Bremen

Die Bahn weiß, was wir (nicht) brauchen!

Die Bahn weiß, was wir (nicht) brauchen!

Im Sommersemester 2013 konnte ich an der Hochschule für Künste in Zusammenarbeit mit Professor Alexander Sahoo das Seminar Was braucht der Mensch? innerhalb des Studiengangs Integriertes Design realisieren. Das Seminar bestand aus einem praktischen und einem theoretischen Teil; für letzteren zeichnete ich verantwortlich.

Die Frage „Was braucht der Mensch?“ ist so interessant und wichtig wie auch allgemein. Man könnte sie einem Biologen, einem Soziologen und einem Betriebswirtschaftler genauso stellen wie einem Designer.

Meine Grundüberlegung bei der Vorbereitung des Seminars bestand darin zu fragen, inwiefern die uns umgebende Welt mit all ihren produzierten Gegenständen und vorgedachten Bedeutungen unseren Bedürfnissen entspricht, und auf welche Weise wir versuchen, das Vorgefundene an unsere Belange anzupassen und uns anzueignen.

Unsere moderne Lebenswelt ist zum übergroßen Anteil ‚designed‘, also planvoll entworfen und umgesetzt. Egal ob wir ein Smartphone nutzen, im Supermarkt einkaufen gehen, uns im öffentlichen Raum bewegen, ins Kino gehen oder in Urlaub fahren. In fast allen Bereichen hat sich jemand darüber berufsmäßig Gedanken gemacht, was und warum wir etwas brauchen und auch willig sind, dafür zu bezahlen.

Im Kern geht es also um das Verhältnis von Gebrauchsanweisung und Gebrauchsweise 1. Die Gebrauchsanweisung beschreibt direkt oder indirekt die beabsichtigte und erwünschte Benutzung des gestalteten Produkts (Smartphone), der Dienstleistung (Urlaub) oder Botschaften (Kinofilm), um einen mehr oder weniger definierten Zweck zu erreichen. Die Gebrauchsweise steht demgegenüber für die konkret beobachtbare Art des Gebrauchs durch den Empfänger, Rezipienten und Verbraucher des Design-Artefakts; und darüber vermittelt auch den Nutzen, den er oder sie im Gebrauch de facto realisiert.

Welche Phänomene und Formen der Umnutzung, Interpretation und Aneignung gibt es? Was können Designer daraus lernen, wenn Produkte in anderer Weise gebraucht werden, als vom Produzenten intendiert? Unter welchen Umständen und warum werden Konsumenten selbst zu Designern, und was kommt dabei heraus? Diese und ähnliche Fragen dienten uns als Richtschnur bei der Behandlung der so unterschiedlichen Sitzungsthemen.

Im theoretischen Teil des Seminars setzten wir uns mit Texten auseinander, die in Form von Referaten präsentiert wurden; weiterhin es gab kleine praktische Hausaufgaben und Gedankenexperimente und jeder Student sollte mindestens eine Sitzung in Form einer Sketchnote 2 aufbereiten.

Dieser Blog-Beitrag ist ungewöhnlich lang. Deshalb gibt es ein PDF zum Download und der Beitrag ist auf mehrere Seiten verteilt. Auf jeder Seite beschreibe ich kurz Hintergrund und Inhalt der jeweiligen Sitzung; zudem liste ich die empfohlene Literatur und viele der Online-Quellen, die die Studenten und ich für Referate im Seminar nutzten. Online-Quellen werden mindestens mit URL und dem Datum des letzten Abrufs in eckigen Klammern [10.08.2013] angegeben.

Übersicht der Sitzungen

  1. Einführung: Design: Verständigung über das Selbstverständliche
  2. Semiotik: Zeichen, Code, Sinn und Bedeutung
  3. Bedarf und Bedürfnis
  4. Kreativität: Zwischen Konvention und Innovation, Tradition und Revolte
  5. Ergonomie: Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine
  6. Nicht intentionales Design (NID) und Thoughtless Acts
  7. Design und Aneignung der Massenmedien
  8. Hacking: Hard- und Software
  9. Cultural Hacking: Kultur, Politik, Kunst und Leben
  10. Gambiarra: Design aus Notwendigkeit
  11. Öffentlicher Raum
  12. Schattenwirtschaft – Design von Geschäftsprozessen abseits der etabierten Wirtschaft

Fußnoten

1) Zu dem Begriffspaar Gebrauchsanweisung vs. Gebrauchsweise siehe auch: Kreativität und Aneignung. Rückblick Transit 4 (Blog-Beitrag vom 23.11.2013), http://www.mkblog.org/2011/11/kreativitat-und-aneignung/.

2) Sketch-Note sind vorwiegend grafisch orientierte Notizen. Als Anhaltspunkte im Seminar galten dafür: Visuell, konkret, erfahrungsbezogen. Fragestellungen: Was habe ich verstanden? Warum habe ich das verstanden? Wie habe ich das gemacht? Woran kann/konnte ich anknüpfen (Erfahrungen, Erlebnisse, vorhandenes Wissen, Assoziationen, Analogien)? Auf was für Ideen hat mich das Thema und dessen Behandlung gebracht. Anregungen für das Sketch-Noting gibt es beispielsweise unter http://www.sketchofrenzy.com/ und an vielen anderen Stellen im Netz.

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Kategorie: Allgemein, Bildung, Design, Konsum, Kunst, Literatur, Raum, Semiotik Kommentare deaktiviert für Was braucht der Mensch? Seminar im SS 2013 an der HFK Bremen

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