Kunst aufräumen

Title des ersten Bandes von Urs Wehrli: Kunst aufräumen (zum Download verfügbar unter http://www.keinundaber.ch/buecher_und_records/buecher/kunst_aufraeumen/00364/index.html)

Der Schweizer Kabaretist und Künstler Ursus Wehrli eignet sich Kunst auf eine radikale, unverschämte und pädagogisch fruchtbare Weise an. Wehrli räumt die Kunst auf, indem er Gemälde und Zeichnungen in ihre bildnerischen Einzelteile zerlegt und nach seinem Gusto neu sortiert. Der Mann hat mittlerweile mehrere Bände seiner Serie „Kunst aufräumen“ veröffenlicht; unerschrocken bringt er immer wieder neu Ordnung in die Kontingenz künstlerischen Schaffens. Dieses Verfahren ist so erfolgreich (und gleichzeitig einfach imitierbar), dass Wehrli es sich hat beim eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum in Bern patentrechtlich schützen lassen. Man weiss ja aus der Geschichte, wie schnell gute Ideen von anderen widerrechtlich angeeignet werden:

Laut dem Kunstprüfer Dr. Albrecht Götz von Olenhusen wird die Verfahrensweise rechtlich geschützt, welche die Kunst durch spezifisch aufgeräumte Regelmäßigkeiten des allgemeinen Formenschatzes neue Wirkungen zu erzielen möglich wird.

Um diesen Blog-Beitrag aus dem Chaos eines haltlosen Enthusiasmus zu erretten und in geordnetere Bahnen zu überführen, hier eine lose Liste der Aspekte, die mir an Wehrlis Idee gefallen:

  • der respektlose und komische Umgang mit den Ikonen der (meist modernen) Kunst,
  • die Einfachheit des Verfahrens, die zum Nachahmen reizt (interessanter Ansatz für einfallslose Kunstpädagogen),
  • das Erkenntnispotential und die Lust, die darin stecken, Dinge auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen;
  • das Verfahren ist naiv insofern es Kunst im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich betrachtet; es ist kreativ und subversiv, insofern es eine Neuordnung der gefundenen Bestandteile vornimmt, die es durchaus mit dem Original aufnehmen kann.
  • Die Idee und ihre Implikationen sind so absurd wie entmythologisierend: im unten verlinkten Video schlägt Wehrli vor, man könne entweder Statistiken über die je nach Künstler und Schaffensperiode verwendete Eigenart und Anzahl der verwendeten Bildmodule aufstellen oder auch den zukünftigen Farbverbrauch hochrechnen.
  • Schließlich steht das Verfahren in bester Tradition der Semiologie, indem es die Werke gleichsam ’sampled‘: das Bild wird auf (kleinste?) bedeutsame Einheiten heruntergebrochen, die dann sogar noch neu arrangiert werden.

Einen guten Einblick in Mensch und Idee gibt der TED-Vortrag von Wehrli aus dem Jahr 2006.

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